State of the Art
Univ. Prof. Dr. Claudia Calvano
Freie Universität Berlin
Trans* Gesundheit im Kindes- und Jugendalter im Kontext globaler Herausforderungen
Abstract C. Calvano
Trans* Gesundheit im Kindes- und Jugendalter im Kontext globaler Herausforderungen
Der Vortrag gibt zunächst einen Überblick über aktuelle Forschungsergebnisse zur Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Geschlechtsinkongruenz und Geschlechtsdysphorie. Ein besonderer Fokus liegt auf der 2025 veröffentlichten S2k-Leitlinie zur Geschlechtsinkongruenz und Geschlechtsdysphorie bei Kindern und Jugendlichen, die die Bedeutung einer sorgfältigen, individualisierten und evidenzbasierten Versorgung hervorhebt, die sowohl die psychische Gesundheit als auch die Selbstbestimmung junger Menschen berücksichtigt. Gleichzeitig beobachten wir in den letzten Jahren, dass gesetzliche Regelungen und politische Maßnahmen in mehreren Ländern den Zugang zu geschlechtsaffirmativer Versorgung einschränken, insbesondere für Jugendliche. Vor dem Hintergrund globaler Krisen, zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung und wachsender politischer Angriffe auf geschlechtliche Diversität wird deutlich, dass das sozio-politische Klima zu einem zentralen Kontextfaktor für Gesundheit und Versorgung geworden ist, mit weitreichenden Konsequenzen für klinische Praxis, Gesundheitspolitik und Forschung und damit auch mit unmittelbaren Auswirkungen auf die psychotherapeutische Profession. Der Vortrag schließt mit Implikationen dieser Entwicklungen für Forschung, klinische Praxis und Versorgungssysteme.
Prof. Dr. Florian Weck
Universität Potsdam
Psychotherapeutische Kompetenzen: Bedeutung für Forschung und Praxis
Abstract F. Weck
Psychotherapeutische Kompetenzen: Bedeutung für Forschung und Praxis
Was sind psychotherapeutische Kompetenzen? Wie können wir diese Kompetenzen erfassen? Führt eine kompetentere Behandlung zu einem besseren Therapieergebnis? Wie lassen sich therapeutische Kompetenzen fördern und aufrechterhalten? Diesen Kernfragen wird sich der Vortrag widmen.
Im Rahmen des Vortrags wird deutlich werden, dass die Selbsteinschätzung eigener Fertigkeiten häufig erheblichen Verzerrungen unterliegt und deshalb eine möglichst objektive Erfassung durch unabhängige Beurteiler:innen mittels standardisierter Skalen angestrebt werden sollte. Therapeutische Kompetenzen können auf unterschiedlichen Ebenen erfasst werden: angefangen beim Wissen über psychische Störungen und deren Behandlung bis hin zur konkreten Umsetzung der Behandlung bei spezifischen Patient:innen (beispielsweise auf der Basis von Behandlungsvideos). Auch wenn Zusammenhänge zwischen therapeutischen Kompetenzen und dem Behandlungserfolg belegt werden konnten, ist die kausale Beziehung dieses Zusammenhangs bisher noch nicht hinreichend geklärt. Der Einsatz eines Kompetenz-Feedbacks, um den Einfluss von therapeutischen Kompetenzen auf den Behandlungserfolg zu untersuchen, ergab bisher keinen eindeutigen Beleg für eine Verbesserung des Behandlungserfolgs durch eine Erhöhung der Behandlungskompetenz. Im Hinblick auf die Erlernbarkeit und Förderung therapeutischer Kompetenzen wird aufgezeigt, dass psychotherapeutische Trainings- und Ausbildungsmaßnahmen bisher nur unzureichend evaluiert wurden. Vielversprechend zeigte sich klinische Supervision zur Förderung psychotherapeutischer Kompetenzen. In dem Vortrag werden besonders effektive Supervisionsmethoden weniger effektiven gegenübergestellt. In der Praxis zeigte sich, dass gerade die besonders effektiven Supervisionsstrategien eher selten genutzt werden. In diesem Zusammenhang werden die Chancen von Live-Supervision (Supervisor:innen geben während der Therapiesitzung ein Feedback) und die Nutzung von Videoaufnahmen im Supervisionsprozess dargestellt und diskutiert.
Prof. Dr. Bettina Doering
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Zwischen Verlust und Verarbeitung: Aktuelle Perspektiven auf Trauer und Anhaltende Trauerstörung
Abstract B. Doering
Zwischen Verlust und Verarbeitung: Aktuelle Perspektiven auf Trauer und Anhaltende Trauerstörung
Die meisten Menschen bewältigen den Verlust einer nahestehenden Person ohne professionelle Hilfe. Bei einem Teil der Betroffenen kommt es jedoch zu einer Anhaltenden Trauerstörung (ATS) – einer in ICD-11 und DSM-5-TR verankerten Diagnose, deren Leitsymptome Sehnsucht und ständige gedankliche Beschäftigung mit der verstorbenen Person sind.
Der Vortrag gibt einen Überblick über aktuelle Forschungsbefunde und wie wir sie in der psychotherapeutischen Praxis nutzen können. Im Fokus stehen kognitive, emotionale und soziale Prozesse, die zur Chronifizierung von Trauer beitragen. Hier interagieren Faktoren, von denen einige unveränderbar sind (z.B. die Umstände des Verlustes), andere aber durch Psychotherapie beeinflussbar, wie negative Zukunftserwartungen, dysfunktionale Bedeutungszuschreibungen und Einsamkeit.
Wie sieht eine sinnvolle Versorgung aus? Nur ein geringer Anteil Trauernder benötigt Psychotherapie. Daher ist eine gestufte Trauerversorgung erforderlich, die von niedrigschwelligen Angeboten bis hin zu spezialisierten psychotherapeutischen Interventionen reicht. Um Betroffenen ein passgenaues Angebot zu machen, braucht es gute interprofessionelle Zusammenarbeit. Vorgestellt wird ein Entwurf für ein Versorgungskonzept sowie die dafür erforderlichen Kompetenzen in Psychotherapie, Beratung, und psychosozialer Begleitung. Besonderes Augenmerk gilt altersbezogenen Unterschieden: wie können die spezifischen Bedürfnisse trauernder Kinder und Jugendlicher systematisch in ein solches Versorgungskonzept integriert werden?
Abschließend öffnet sich der Blick auf gesellschaftliche Rahmenbedingungen, darunter normative Vorstellungen von „gesunder“ versus „pathologischer“ Trauer: Wer darf wie lange, wie intensiv trauern und um wen? Ist die Diagnose ATS hilfreich oder trägt sie zur Stigmatisierung Trauernder bei? Und wie beeinflussen unsere Haltungen das Hilfesuchverhalten, unseren Umgang mit der Diagnose ATS und den Zugang zu psychosozialer Unterstützung? Der Beitrag lädt dazu ein, Trauer differenziert zu verstehen – und therapeutisch verantwortungsvoll zu begleiten.
Prof. Dr. Julia Asbrand
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Globale Krisen im Kinderzimmer: Herausforderungen und Chancen für die Psychotherapie und darüber hinaus
Abstract J. Asbrand
Globale Krisen im Kinderzimmer: Herausforderungen und Chancen für die Psychotherapie und darüber hinaus
Corona-Pandemie, Angriffskrieg auf die Ukraine, Inflation sowie die Klima- und Biodiversitätskrise prägen die Lebensrealität vieler Kinder und Jugendlicher. Neben entwicklungsbedingten Herausforderungen müssen sie sich zunehmend auch in einer globalen Krisenwelt orientieren. Welche psychischen Belastungen gehen damit einher? Wer ist besonders betroffen, und welche protektiven Faktoren spielen eine Rolle?
Der Vortrag beschreibt psychosoziale Folgen globaler Krisen sowie Mechanismen, über die gesellschaftliche Krisen zu individuellen Belastungen werden. Zudem wird evidenzbasiert eingeordnet, wie funktionale individuelle und gesellschaftliche Bewältigungsprozesse aussehen können. In der psychotherapeutischen Praxis zeigen sich Auswirkungen von Klimakrise, Kriegen, pandemiebedingten Belastungen und politischer Polarisierung zunehmend im klinischen Alltag. Dies erfordert einen kontextsensiblen therapeutischen Blick, der existenzielle Emotionen nicht pathologisiert, sondern ihre Funktion versteht und einen adaptiven Umgang unterstützt. Neben einer angepassten Psychoedukation werden resilienzfördernde Ansätze vorgestellt, einschließlich altersadaptierter Strategien zur Emotionsregulation, Wertearbeit und Stärkung sozialer Unterstützungssysteme.
Abschließend werden Co-Benefits gesellschaftlicher Maßnahmen – insbesondere im Bereich Klima- und Resilienzpolitik – hinsichtlich ihrer potenziellen psychosozialen Effekte auf Kinder und Jugendliche diskutiert. Die Relevanz von Partizipation und Teilhabe über Forschung und Praxis hinaus bis hin in die Gesellschaft wird damit näher beleuchtet.
Prof. Dr. Dr. Andreas Maercker
Universität Zürich
PTBS und Komplexe PTBS: State of the Art und zukünftige Trends
Abstract A. Maercker
PTBS und Komplexe PTBS: State of the Art und zukünftige Trends
Der Vortrag beantwortet diagnostische, differenzialdiagnostische und therapeutische Fragen zu den beiden neuen Geschwisterdiagnosen des ICD-11 der WHO. Diese neu formulierten Diagnosen sind ja schon massgeblich für den klinischen Alltag inklusive des Erstellens von Anträgen und Gutachten, auch wenn die Einführung für administrative Abrechnungszwecke erst 2027 erfolgen wird. Zu jeder der therapeutischen Techniken gehören Störungsmodelle, von denen einige auch dargestellt werden. Dabei wird den Modellen zur komplexen PTBS breiterer Raum gegeben. Internationale Leitlinien und die neue nationale, im Jahr 2026 erscheinende Leitlinien, sind die Grundlage der Übersicht zu den therapeutischen Verfahren. Diese werden aber ergänzt zu in den Leitlinien kaum dargestellten Verfahren wie z.B. Lebensrückblicks-Therapie bei der PTBS älterer Menschen, Achtsamkeits-basierte Ansätze, Bilder-Neuschreiben (Imagery rescripting), Emotion-Focused Therapy for Trauma. Abschliessend gehe ich für die Diagnostik und Therapie auf kultursensible Ansätze ein. Im diagnostischen Bereich spricht man anstelle oder ergänzend zu den Diagnosen von «kulturellen Skripten der Traumafolgen». Bei den für und in anderen Kulturen entwickelten Therapieansätzen sind manche digital. Deren Potenzial sehe ich in Zukunft nicht nur für eine Anwendung mit Menschen aus anderen Kulturen, sondern auch für Menschen im eigenen Land, die von unseren therapeutischen Angeboten nur schwer oder gar nicht angesprochen werden.
Prof. Dr. Mar Rus-Calafell
Ruhr Universität Bochum
Innovations in Early Psychosis: Integrating Research, Treatment, and Lived Experience
Abstract M. Rus-Calafell
Innovations in Early Psychosis: Integrating Research, Treatment, and Lived Experience
Early psychosis is increasingly conceptualised as a dynamic developmental process that extends beyond established psychotic disorders to include psychotic experiences in community and help-seeking populations. Such experiences are common, particularly among young people, and vary widely in persistence, impact, and need for care. Understanding when and how these experiences become distressing or clinically relevant is central to improving prevention and early intervention strategies. This talk will focus on how contemporary clinical research can inform mechanism-based, person-centred care in early psychosis. Drawing on findings from the Young VOices Research and Interventions (YVORI) research programme, it will highlight how cognitive-behavioural and relational frameworks can be translated into targeted, stage-sensitive interventions for individuals presenting with emerging symptoms. The presentation will further address how digital innovation can enhance assessment and treatment. AVATAR therapy for distressing voices will be presented as one example of how digitally supported interventions can be integrated into routine care to reduce voice-related distress in psychosis. A central theme of the presentation will be the role of participatory research and co-production in developing interventions that are clinically relevant, ethically grounded, and responsive to service users’ priorities. Within YVORI, young people with lived experience actively shape research questions, study procedures, and intervention content through structured advisory panels. Embedding lived experience throughout the research cycle strengthens acceptability, feasibility, and real-world impact, while fostering trust and meaningful engagement in clinical services.
Prof. Dr. phil Svenja Taubner
Universitätsklinikum Heidelberg
Mentalisieren und epistemisches Vertrauen als Veränderungsmechanismen von Psychotherapie
Abstract S. Taubner
Mentalisieren und epistemisches Vertrauen als Veränderungsmechanismen von Psychotherapie
In diesem Vortrag wird die Idee des Mentalisierungskonzeptes vorgestellt, das in Abgrenzung zur klassischen Theory-of-Mind Therapie besonders auf die Qualität der frühen Bindungsbeziehungen fokussiert. Die Anfänge der Mentalisierungstheorie werden skizziert sowie die klinische Theorie. Mentalisieren ist als ein Mechanismus anzusehen, der unser Verständnis für die Entwicklungspsychopathologie bei schweren psychischen Erkrankungen erweitert und als Ausgangspunkt für therapeutische Veränderungsprozesse dient. Daher wird im zweiten Teil die Veränderung von Mentalisieren durch Psychotherapie beleuchtet unter Berücksichtigung verschiedener Operationalisierungen des Konstrukts. Die Forschung unterscheidet Mentalisierung als Outcomevariable, als Prädiktor zu Beginn von Therapien und als Veränderungsmechanismus im Prozess. Ausgehend von Empfehlungen der Mentalisierungsbasierten Therapie wird Mentalisieren als transtheoretischer Wirkfaktor für die allgemeine Psychotherapie diskutiert. Abschließend werden neue Konzepte modularer Therapien vorgestellt, die Mentalisieren modularisiert beinhalten und aktuell im DZPG multizentrisch evaluiert werden.
Prof. Dr. Christina Schwenck
Justus-Liebig-Universität Gießen
Selektiver Mutismus bei Kindern und Jugendlichen: Aktuelle Forschungsergebnisse und ihre Bedeutung für die klinische Praxis
Abstract C. Schwenck
Selektiver Mutismus bei Kindern und Jugendlichen: Aktuelle Forschungsergebnisse und ihre Bedeutung für die klinische Praxis
Selektiver Mutismus ist eine Angststörung, bei der Kinder und Jugendliche in bestimmten sozialen Situationen nicht sprechen können, meist in der Schule/im Kindergarten, der Öffentlichkeit und mit fremden Personen. In anderen sozialen Kontexten gelingt den Kindern das Sprechen dagegen problemlos, zum Beispiel zu Hause mit der Familie. Obwohl etwa 1% aller Kinder von Selektivem Mutismus betroffen sind, ist das Störungsbild stark unterbeforscht und unterversorgt. In diesem Beitrag werden aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu präsentiert und in ihrer Bedeutung für den praktische Umgang mit Kindern mit Selektivem Mutismus übersetzt: Häufige Symptome, die außer dem Schweigen bei Kindern mit Selektivem Mutismus vorkommen, dargestellt und Faktoren und Mechanismen, die für Selektiven Mutismus verursachen und aufrechterhalten besprochen. Weiterhin wird darauf eingegangen, welche weiteren psychischen Störungen häufig gemeinsam mit Selektivem Mutismus vorkommen und wie dieser von anderen Erkrankungen wie der sozialen Angststörung oder der Autismusspektrumstörung abzugrenzen ist. Diagnostische Instrumente und die systematische Erfassung des Sprechmusters der Kinder werden präsentiert. Schließlich werden Behandlungsansätze, die sich in der Forschung und im klinischen Alltag als wirksam erwiesen haben, werden vorgestellt. Insbesondere wird hierbei auf die Eltern-Kind-Interaktionstherapie für Selektiven Mutismus eingegangen.
Dr. Simon Blackwell
Georg-August-Universität Göttingen
Accelerating the Development of Psychological Interventions
Abstract S. Blackwell
Accelerating the Development of Psychological Interventions
The traditional route for developing, testing, and optimizing psychological interventions is slow and inefficient, and unable to keep pace with the demand for improved treatment outcomes in mental health. Alternative methods, such as adaptive clinical trial designs developed in the context of cancer research, can significantly accelerate the treatment development process. However, despite increasing interest following their prominent use for vaccine and treatment development during the COVID-19 pandemic, there has been as yet only limited uptake of such methods in the context of mental health. In this talk I will present these alternative routes for treatment development, focusing in particular on the ‘leapfrog’ adaptive Bayesian trial design. I will outline how these methods can reduce the time, resources, and participant numbers needed and thus provide a means to accelerate the development of psychological interventions. Finally, I will present examples of completed and ongoing leapfrog and other adaptive Bayesian trials applied in the context of mental health. Via presentation of concrete examples, alongside discussion of the benefits, challenges, and practical aspects of these approaches, I hope to break down some of the barriers to their uptake; while adaptive clinical trials could significantly accelerate psychological treatment development, to take advantage of their benefits we have to think differently about how we go about our research, and actually start implementing these new approaches.
Prof. Dr. Melanie S. Fischer
Universität Marburg
Couple-based psychotherapy: A relationship science perspective on adult psychopathology and its treatment
Abstract M. Fischer
Couple-based psychotherapy: A relationship science perspective on adult psychopathology and its treatment
Psychopathology does not exist in a vacuum – instead, close relationships can impact the course and treatment of psychological disorders. At the same time, couple relationships have the potential to serve as a major resource in recovery, particularly if treatments intervene on relevant interpersonal maintenance factors. Accordingly, involving significant others in the treatment of psychological disorders is a common recommendation in evidence-based treatment guidelines across disorders and settings. This talk will highlight why intimate relationships matter for mental health, how dyadic interaction patterns can inadvertently maintain symptoms, and what the evidence tells us about doing psychotherapy with couples. With a focus on psychological treatments that systematically involve partners from a cognitive-behavioral perspective, this talk will also consider common obstacles to a more widespread dissemination of these approaches. Examples of innovations in treatment settings, delivery formats and adaptations to different health care systems will be presented and discussed in terms of their potential for improving the reach and impact of these interventions. The talk concludes with considerations for future research, health care policy and clinical practice.
Bruce F. Chorpita Ph. D.
University of California
Therapeutic Intelligence in the Age of Artificial Intelligence: How People and Machines Can Build Healthier Families and Stronger Communities
Abstract B. Chorpita
Therapeutic Intelligence in the Age of Artificial Intelligence: How People and Machines Can Build Healthier Families and Stronger Communities
This talk explores the topic of “therapeutic intelligence,” which refers to the ability to engage in therapeutic action that is informed by all relevant clinical and research evidence. Achieving this vision requires rethinking core questions about what evidence is suitable to guide clinical decisions, which roles are appropriate for providing therapeutic care, and how treatments should be conceptualized, designed, and implemented. Multiple examples are provided to demonstrate how the creation of knowledge-rich environments, often digitally-supported, can bias individuals such as therapists, supervisors, teachers, and parents, toward being effective therapeutic agents. These examples involve such contexts as treatment engagement, clinical supervision, and treatment of common mental health challenges in youth. Finally, this talk raises questions about our field’s evolving relationship with technology and AI and considers multiple possible futures where effective care can be scaled to meet the widespread demand for therapeutic care.
Prof. Dr. Antonia Barke
Universität Duisburg Essen
Bio, Psycho und Sozial endlich im gleichen Team: Paradigmenwechsel in der Klassifikation chronischer Schmerzen
Abstract A. Barke
Bio, Psycho und Sozial endlich im gleichen Team: Paradigmenwechsel in der Klassifikation chronischer Schmerzen
Bio, Psycho und Sozial sind endlich im gleichen Team: Die ICD 11 verankert chronische Schmerzen erstmals explizit als multifaktorielles, biopsychosoziales Geschehen. Damit wird der alte Dualismus von „körperlich“ versus „psychisch“ aufgelöst und die bislang über unterschiedliche Fachkapitel verstreuten Diagnosen in einem systematischen Kapitel gebündelt. Mit dem Kapitel MG30 „Chronische Schmerzen“ und den neuen Zusatzcodes für Schmerzschwere, psychosoziale Faktoren und Verlauf entsteht ein neuer begrifflicher Rahmen, der die wissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte berücksichtigt.
Im Vortrag werden die sieben Hauptkategorien chronischer Schmerzen und zentrale neue Diagnosen vorgestellt, insbesondere die Unterscheidung von chronischen primären Schmerzen (Schmerz als eigenständiger Gesundheitszustand) und chronischen sekundären Schmerzen (Schmerz im Zusammenhang mit einer Grunderkrankung). Zusatzcodes für physische Beeinträchtigung, schmerzbezogene emotionale Belastung und psychosoziale Faktoren erweitern die bisherigen Kodiermöglichkeiten. Anhand von Fallvignetten wird veranschaulicht, wie die neue Klassifikation unscharfe Sammelkategorien der ICD 10 ablöst und erlaubt, psychosoziale Einflussfaktoren zu benennen, ohne Diagnosen im Kapitel „Psychische Störungen“ vergeben zu müssen. So bildet sie die konzeptuelle Basis für interdisziplinäre multimodale Schmerztherapie auch in der Klassifikation ab.
Erste empirische Daten aus anderen Ländern zeigen, wie bislang „unsichtbare“ Schmerzsyndrome wie neuropathische, krebsassoziierte oder postoperative Schmerzen in Statistiken sichtbar werden und damit die Grundlage für eine realistischere gesundheitspolitische Planung legen. Abschließend werden die sich nun anschließenden Herausforderungen skizziert: Die neuen Diagnosen schaffen die Voraussetzungen dafür, dass Bio, Psycho und Sozial tatsächlich im gleichen Team spielen können – vorausgesetzt, Implementierung, Weiterbildung und Vergütung ziehen nach.
Prof. Dr. Maria Kleinstäuber
Utah State University
Suck it up – Psychological Management of Persistent Somatic Symptoms in Cowboys
Abstract M. Kleinstäuber
Suck it up – Psychological Management of Persistent Physical Symptoms in Cowboys
In this talk, I will address persistent physical symptoms (PPS), defined as symptoms that last for three months or longer, such as chronic pain. PPS affect more than 20% of the population across countries and are frequently associated with significant emotional distress and functional disability.
The presentation will focus on PPS within a specific context: rural populations. In these communities, PPS are particularly prevalent and often exert a greater impact on daily functioning and quality of life. Despite this substantial burden, patients in rural areas are significantly less likely to receive multimodal, interdisciplinary treatment — currently considered the standard of care for chronic pain.
I will begin by summarizing the current state of PPS and chronic pain management in rural regions of developed countries, including the United States. I will then discuss specific characteristics of rural populations that may present challenges when introducing the psychological components of multimodal care. Finally, I will highlight future-oriented solutions and innovative models of service delivery aimed at improving access and outcomes.
While the talk will provide an up-to-date overview of the field, it will also emphasize clinical implications. Psychologists working in rural settings require a form of cultural competence tailored specifically to rural populations. Moreover, high-quality psychotherapy is not defined solely by what occurs within the therapy room. It also depends on whether the healthcare system enables individuals to access that room in the first place.

















